HOTEL W
Ende 2015 schlug mir Rockwell Group vor, den Umbau zweier Hotels im Zentrum Madrids zu einem Fünf-Sterne-Luxushotel zu dokumentieren, an dem sie zu arbeiten begonnen hatten, um ein Bildarchiv des Prozesses zu haben. Ich sagte unter der Bedingung zu, mir die Möglichkeit vorzubehalten, mit diesen Bildern eines Tages eine Ausstellung zu machen.
Insgesamt besuchte ich die Sanierung des Hotels dreizehnmal, von einem Ort, der sich gerade mit Schutt füllte, bis zum Frühjahr 2023, sieben Jahre später, als es fast eröffnungsbereit war. Als Fotograf war es jedes Mal eine gedankliche Reise, alle vier bis sechs Monate dorthin zu gehen: die Erkundung eines Moments an einem Ort anhand seines fotografischen Bildes, stets auf der Suche danach, zu entdecken und festzuhalten, was geschah, was entstand und welche Wirkung es auf mich hatte.

Wie immer in meiner Arbeit war mein Ansatz neutral, auf der Suche nach einer gewissen Distanz zu dem, was das Bild zeigt, nach Art des Dokumentarischen, das ich jedoch als Stil verstehe. Das heißt, meine Fotografien wollen immer mehr sein als ein Dokument, etwa so wie die forensische Fotografie. In diesen Gedanken erkenne ich die von Walker Evans wieder.
Nach Abschluss der Arbeiten hatte ich ein Archiv von über 2.500 Fotografien, aus denen ich etwa 400 ausgewählt und nach und nach meinem Auftraggeber übergeben hatte, der inzwischen ARVO Arquitectura, ein Madrider Architekturbüro, geworden war.
Anfang 2023 bat mich dieses Büro um eine Bildauswahl für ein Buch über seine Arbeit und die seiner Partner. Das führte dazu, dass ich die gesamte Serie noch einmal durchsah.

Dabei stellte ich fest, dass in vielen Bildern das vorhanden war, wonach ich gesucht hatte, und dass sie deshalb als fotografische Serie mit eigenem Anspruch präsentiert werden konnten, das heißt in diesem Fall zugleich als Dokumente eines Prozesses und als Kunstwerke.
Diese Ausstellung in der Galería Pilares geht aus diesem Gedanken hervor: dort eine Auswahl von Fotografien dieser von Anfang an Hotel W genannten Serie zu zeigen, die wir für ein Ausstellungsprojekt als am besten geeignet ansehen, das den dokumentarischen Gebrauch der Fotografie mit anderen, ausdrucksstärkeren und persönlicheren Verwendungen verbindet.
Die Serie umfasst 24 Fotografien. Zwei davon sind gerahmt (weißer Kastenrahmen) im Format 70 x 100 cm, vier weitere, ebenso gerahmt, im Format 30 x 40 cm. Weitere achtzehn Fotografien, ebenfalls 30 x 40 cm, werden ohne Rahmen direkt an der Wand angebracht.
Miguel Santesmases
2024
