Ausstellung·7. Februar 2022

Zóbel und sein Kreis

Zóbel und sein Kreis

Wer meint, Fernando Zóbel sei ein großer Maler gewesen, östlich im Geist, aber westlich geschult, mit einem sehr klaren, eigenen, einzigartigen und besonders schönen Stil, liegt vollkommen richtig.

Auch wenn ich ihn persönlich nicht mehr kennengelernt habe, verdanke ich meine Liebe zur abstrakten Kunst einer Wochenschau des NO-DO über unseren genialen Künstler, in der man sah, wie er arbeitete. Ausgehend von einer gegenständlichen Landschaft komponierte er ein zweites, ein drittes, ein viertes Bild …, in denen er deren Elemente nach und nach zerlegte, einen Teil ihrer Struktur und ihrer Farbigkeit auswählte, bis er schließlich ein völlig abstraktes Werk hervorbrachte, das die Essenz der ursprünglichen Landschaft bewahrte. Mit anderen Worten: Die äußere Wirklichkeit interessierte ihn nur als Vorwand oder, im übertragenen Sinn, als Vor-Text.

Saura sagte, dass man in Bildern bei genauem Hinsehen oft das bemerken könne, was er „Rechtschreibfehler“ nannte, denn die Malerei hat etwas vom Schreiben. Ich gestehe, dass mich seit mehr als drei Jahrzehnten die Handschrift guter Maler (Saura, Chillida, Tàpies, Bonifacio, Pagola …) besonders fasziniert, weil ich darin die feinen Brücken zwischen Zeichnung, malerischem Strich und Buchstabe wahrnehme. Vielleicht hat das mit Manolo Valdés’ Bemerkung zu tun, er versuche bei jedem Bild, das er betrachtet, seine Beute mitzunehmen. Tatsächlich hat die Malerei etwas von Literatur, Philosophie, Geografie, Musik und Geschichte …, neben dem Handwerklichen; und gerade das, was wir nicht sehen – das Verborgene, das Verschwiegene, das Erhabene, das Wesentliche –, das ist die Kunst.

Zóbel war in diesem Sinne der bedeutendste Vertreter dessen, was man „poetische Abstraktion“ nennen könnte: ein Feld, in dem die Lyrik als Frucht einer zutiefst intellektuellen Arbeitsweise zugleich sehr technisch und in gewisser Weise transzendent ist.

Kein Künstler seiner Generation ist auf der Suche nach dem Erhabenen so weit und so hoch gestiegen. Dieser innere Kampf brachte eine außerordentlich persönliche, unverwechselbare Sprache hervor; vielleicht liegt darin die allgemeine Wertschätzung, die er weltweit, von Ost bis West, genießt.

Malerisch gesprochen war Zóbel ein Mystiker, der seinen Weg auf dem asketischen Pfad der Ästhetik ging. Sein Schaffensprozess ist reiner Kampf, eine gewaltige Anstrengung, sich vom Nebensächlichen, Verzichtbaren, Störenden zu befreien …, gerade in diesem inneren Ringen um das immaterielle Wesen der Dinge. Anders als die traditionelle Kunst, deren wichtigster Bezugspunkt die sichtbare Wirklichkeit war, suchte Zóbel das verborgene Wesen der Dinge, der Landschaft, der Menschen zu malen. Es wundert daher nicht, dass er von allen Malern seiner Generation so respektiert und geliebt wurde – ein äußerst seltenes Phänomen – und dass er unbestrittene, einhellige internationale Anerkennung erlangte. Man könnte sagen, dass jedes Museum moderner Kunst, das etwas auf sich hält, ein Werk von ihm besitzt und dass eines ohne Zóbel unvollendet, provisorisch wirkt.

Dennoch zeugt all dies nur von einem kleinen Teil seiner Persönlichkeit. Don Fernando war zweifellos der letzte – vielleicht der einzige oder zumindest der beste – Vertreter eines typischen Renaissancemenschen im 20. Jahrhundert. Sammler, Mäzen, Verleger, Lehrer …, er pflegte zudem andere Künste wie die Dichtung, das ästhetische Denken oder die Musik und war ein unermüdlicher Reisender. Sein Weg durch diese Welt war eine ständige Reise, auf der er sich für alles Schöne interessierte: von einem verlassenen, in der Landschaft verlorenen Bauwerk bis zur Anmut von Kindern beim Fußballspielen oder Radfahren; von den Schriften Asiens bis zum Volkstümlichsten des unsterblichen Kastilien. Er sah Schönheit in der stets überraschenden Karwoche, in den steilen, steinigen und schlammigen Gassen der Altstadt, wo der mit Brennholz – oder mit Wasserkrügen – beladene Esel bei seiner Arbeit hinauf- und hinabstieg, oder im Zauber der Querflöte.

Als Gründer des Museums für Abstrakte Kunst in Cuenca, des ersten Museums in Spanien mit einer wirklich universellen Ausrichtung (er abonnierte für es alle Kunstzeitschriften der Welt), machte er Cuenca für immer international. Vor allem seit dessen Eröffnung wurde die Stadt zum Anziehungspunkt für jeden Künstler, der als solcher gelten wollte. Wer in Spanien Maler sein wollte, kam nicht umhin, in Cuenca aus seinem Museum zu „trinken“; das bedeutete auch, Zóbel selbst kennenzulernen, Zeit mit ihm zu verbringen und in die außerordentlich kultivierte Atmosphäre einzutauchen, die man damals auf dieser kastilischen Akropolis atmete – eine Atmosphäre, die nur mit der von Paris vergleichbar war.

Seine Menschenfreundlichkeit, seine weltoffene Gestalt und seine Liebenswürdigkeit ließen um ihn herum malerische und künstlerische Berufungen entstehen und wachsen, die er stets nach Kräften förderte. Seine Großzügigkeit war so groß, dass er bald einem jungen Handwerker die Maschinen schenkte, um in Cuenca eine Papiermanufaktur für Maler und Drucker einzurichten, bald die beste damals erhältliche Fotoausrüstung jemandem, der davon leben wollte, damit er sie in den Dienst der Maler stellte, die in den entstehenden Galerien ausstellten und ihre besten Werke in den bescheidenen Katalogen jener Zeit abbilden wollten.

Dieses Mäzenatentum führte ihn in seinem Bemühen, die Schönheit der modernen Kunst zu verbreiten, auch dazu, eine prächtige Druckpresse zu kaufen, an der viele Künstler ihr Abenteuer mit der Druckgrafik begannen; rund um das Museum entstanden Werkstätten für Siebdruck, Holzschnitt, Radierung und Lithografie. Das Museum gab unablässig eigene Grafiken heraus und verkaufte sie, um die verschiedenen Ausdrucksformen der neuen Ästhetik allen Publikumsschichten zugänglich zu machen.

Im Schutz seiner Persönlichkeit und seines Wirkens wuchsen – oder reiften – Künstler vom Format eines Antonio Lorenzo, Adrián Moya, Bonifacio, Moset, Ángel Cruz oder Simeón Saiz Ruiz heran; doch wie gesagt kamen zwangsläufig auch andere große Namen nach Cuenca: bekanntere wie Guerrero, Millares, Mompó, Luis Muro oder Sempere und jüngere wie Eva Lootz, Monir oder Mitsuo Miura. Zu dieser langen Liste kommen zwei weitere Gruppen berühmter Namen: einerseits die Künstler, die bereits dort waren, wie Saura oder Torner, und andererseits eine Generation junger Leute, die aus den besten Quellen Europas geschöpft hatten und vom Zauber der außergewöhnlichen kulturellen Atmosphäre, die Zóbel geschaffen hatte, gewissermaßen „mitgerissen“ – oder „verzaubert“ – wurden.

Einige stammten aus Cuenca, wie Luis Buendía, Óscar Lagunas, José María Lillo, Moset, Adrián Moya, Simeón oder Zapata; andere waren Wahl-Conquenser, wie der erwähnte Bonifacio, der Bildhauer Javier Florén oder Pagola. Ohne im strengen Sinne seine Schüler zu sein, wurden sie alle geboren, wuchsen und reiften, genährt von der Gestalt und Ästhetik Zóbels und vom Besten der spanischen abstrakten Kunst, aber auch von den heute klassisch genannten Avantgarden, in denen Konzeptkunst und visuelle Poesie, Expressionismus und Konstruktivismus miteinander wetteiferten.

Alle genannten Maler hatten etwas zu sagen; alle hatten die Gelegenheit, Zóbel bei der Arbeit zu sehen, mal in seinem Atelier, mal beim Skizzieren nach der Natur; alle lernten unendlich viel von ihm über Farben, ästhetisches Denken, die Avantgarden und die Notwendigkeit, eine eigene Sprache zu finden …; alle wuchsen im weisen und schützenden Schatten des großen Mäzens, des großen Anregers, des tiefgründigen Riesen auf.

Genau das war Zóbel: ein Riese, ein außergewöhnlicher, unvergleichlicher Mensch, denn zu seiner persönlichen Größe kamen seine amerikanische Erfahrung, seine Weltläufigkeit, seine tiefen asiatischen Wurzeln und seine umfassende Bildung. Man versteht vollkommen, dass er unersetzlich war, und die Welt hat seither niemanden wie ihn gefunden, der so bemerkenswerte Spuren hinterlassen hätte.

Seine Asche ruht auf einem Künstlerfriedhof mit Blick auf die Schlucht des Júcar, dort, wo die Stadt aufhört, Stadt zu sein; dort wird mit der Bergluft, dem Regen und dem Wechsel der Jahreszeiten das Bedürfnis nach beständiger Erinnerung immer lebendiger.

Saura sagte, die Geschichte fahre wie ein Besen über alles hinweg, alles außer den großen Menschen, denen, die KUNST mit Großbuchstaben geschaffen haben. In dieser Liste der Überlebenden wird zweifellos unser stets bewunderter Don Fernando bleiben, dessen Lächeln, ruhige und gelassene Haltung, persönliche Ästhetik und Spur unvergänglich sind und bleiben werden.

Santiago Catalá

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